Psychologiche Diagnostik und gutachtliche Tätigkeit

Mit 2 Dipl.-Psychologinnen mit entsprechender Zusatzausbildung stehen qualifizierte Mitarbeiterinnen für spezifische Diagnostik zur Verfügung.
Für jedes Kind und jeden Jugendlichen kann im Kinderheim St. Mauritz eine umfassende, praxisorientierte Einzelfalldiagnostik erstellt werden. Sie dient dazu, bisherige Erkenntnisse, beobachtete Einze
lheiten und Verhaltensauffälligkeiten in ihrer Gesamtheit darzustellen und deren Zusammenhänge aufzuzeigen. Es gilt, die Probleme jedes einzelnen Kindes/Jugendlichen individuell zu verstehen und zu erklären. Bisher bestehende (Laien)- Hypothesen hinsichtlich der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten können widerlegt oder fundiert werden. Daraufhin können gezielte Aussagen über die zugrunde liegenden Ursachen der Persönlichkeitsentwicklung formuliert werden, die oftmals mit der Biographie und Sozialisation der Kinder und Jugendlichen zusammenhängen. Auf der Grundlage dieses Erklärungsmodells werden dann pädagogisch-psychologische Maßnahmen ergriffen, die unter Berücksichtigung der spezifischen Persönlichkeitsprobleme von Kind und Eltern sowie der familiären Rahmenbedingungen individuell zu gestalten sind. Darüber hinaus werden dann konkrete Planungen hinsichtlich der Gestaltung der Zukunftsperspektive vorgenommen.

Der von der Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz praktizierte ganzheitliche diagnostische Ansatz beruht auf unterschiedlichen Informationsquellen: in der Regel gibt es bereits vor der Aufnahme eines Kindes/Jugendlichen Berichte von Jugendämtern, anderen Einrichtungen oder Gerichten. Auch die (leiblichen) Eltern besitzen oftmals umfassende Kenntnisse über die Entwicklung ihrer Kinder.

Nach der Aufnahme werden in der Einrichtung unterschiedliche psychodiagnostische Verfahren von den Fachkräften durchgeführt, um die intellektuellen und sozial-emotionalen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen zu testen. Darüber hinaus werden wichtige Erkenntnisse aus den intensiven und zielgerichteten Beobachtungen der Gruppenmitarbeiter/innen im pädagogischen Alltag gewonnen. Im Rahmen von Besuchskontakten in der Einrichtung und Hausbesuchen werden Kinder und Eltern gemeinsam beobachtet, um Aussagen hinsichtlich der Familien- und Beziehungsstrukturen vornehmen zu können.

Der Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Münster kommt zwei Mal monatlich zur ärztlichen Supervision. In einigen Fällen ist der psychiatrische Blickwinkel bei der Hilfeplanung sehr hilfreich.

Die für die Diagnostik speziell formulierten Fragestellungen (z.B. intellektuelle Leistungsfähigkeit, Selbstwert, soziale Kompetenz, emotionale Befindlichkeit, Familienfähigkeit, Beziehungsstrukturen, traumatische Erlebnisse usw.) können sowohl von den zuständigen Jugendämtern und Kinderpflegediensten, Familiengerichten, den Eltern als auch von den Mitarbeitern/innen der Einrichtung in Auftrag gegeben werden.

Sozialpädagogische Diagnostik

Das Konzept der sozialpädagogischen Diagnosen ist eine Mehtode, die eine strukturierte Fallbesprechung im Rahmen der Hilfeplanung unterstützt. Die Methode wurde schon Anfang der ’90er Jahre von Klaus Mollenhauer und Uwe Uhlendorf entwickelt und findet in verschiedenen Bereichen der erzieherischen Hilfen Anwendung. Das Konzept orientiert sich an den Selbstdeutungen der Kinder und Jugendlichen und trägt somit zentralen Qualitätskriterien des Hilfeplanprozesses – Betroffenenbeteiligung und Partizipation – Rechnung. Es ist bei Kindern ab dem Schuleintrittsalter anwendbar.

Familiendiagnostik

Das Konzept der sozialpädagogischen Familiendiagnosen baut auf den sozialpädagogischen Diagnosen für Kinder und Jugendliche auf. Es stellt die Selbstdeutung insbesondere der erwachsenen Familienmitglieder in den Vordergrund. Auf für sie gilt, dass ohne eine substanzielle Betroffenenbeteiligung, die sich auf die Problemsichten und die subjektiven Hilfepläne der Klienten bezieht, Kooperation als wichtige Voraussetzung für den Erfolgt von Hilfen nur schwer gelingt.