Die Gründungsgeschichte

Heimerziehung war und ist noch immer eine Antwort auf die Not von Kindern und Jugendlichen und ihrer Familien. Als das Kinderheim 1842 von dem Priester Eduard Michelis gegründet wurde, befand es sich zunächst als Armenwaisenhaus auf der Warendorfer Straße, dort, wo heute das Hotel Frönd ist.

Eduard Michelis war der Kaplan und Geheimsekretär des Erzbischofs Clemens August von Droste zu Vischering von Köln; er kehrte erst im Frühjahr 1841 aus einer vierjährigen Gefangenschaft (in Folge scharfer Konfrontationen zwischen dem Kölner Erzbischof und der Preußischen Staatsverwaltung) in seine Heimatstadt Münster zurück. Eduard Michels fiel schnell die Not der verarmten Waisenkinder und der fürsorgebedürftigen Kinder der Stadt Münster und Umgebung auf; mit Unterstützung seines priesterlichen Freundes Franz Spiegel fasste er den Plan, eine Einrichtung für diese Armen zu schaffen. Über die Gründung der Ordensgemeinschaft der Vorsehungsschwestern gibt es hier ausführliche Informationen.

Es gab zwar schon seit 1592 ein Bürgerwaisenhaus (Nähe Kiepenkerl) in Münster, doch die Tatsache, dass der Rat der Stadt Münster sich seit der Eröffnung des Bürgerwaisenhauses an die Bestimmung der Fundationsurkunde hielt und dort nur ehrliche, echt und recht geborene Kinder, also keine unehrlichen oder auch von unehrlichen Eltern herkommenden Kinder, Aufnahme finden durfte, bestärkten den Tatendrang des Priesters Eduard Michels, für diese armen Waisen endlich etwas zu tun.
Das Münstersche Sonntagsblatt vom 3. November 1842 berichtete über ein Treffen des Priesters Eduard Michels mit seinen Freunden:
“ Es war am unschuldigen Kindertag 1841, als Michelis mit einigen Freunden zusammentrat und darüber beratschlagte, wie den zahlreichen Waisen, die auf eine Aufnahme in das hiesige Bürgerwaisenhaus keinen Anspruch haben, eine Zufluchtsstätte bereitet werden könnte, wo ihrer Not abgeholfen und wo für eine Erziehung zu einem frommen, tugendhaften und arbeitsamen Leben Sorge getragen würde und wo zugleich Kinder, die zwar noch einen Vater oder eine Mutter am Leben haben, die aber oft übler daran sind als eigentliche Waisen, Aufnahme fänden und so lange versorgt würden, bis sie vollkommen fähig sind, ihr Unterkommen in der Welt zu finden.“

Michelis‘ persönliche Bittgänge zu den Adligen Bürgern der Stadt verschafften ihm zunächst das Startkapital, um die Baukosten tragen zu können; darüber hinaus versuchte Michelis, durch seinen Artikel im Sonntagsblatt Verständnis und Hilfsbereitschaft für sein Unternehmen bei den Lesern zu erreichen. So entstand im Jahre 1842 das einzige Armenwaisenhaus in Münster. (Das Bürgerwaisenhaus wurde später von der Stadt geschlossen.)

Das Kinderheim St. Mauritz ist eine Einrichtung dieser im Jahre 1842 gegründeten gemeinnützigen kirchlichen Stiftung privaten Rechts und blickt zurück auf eine lange, wechselvolle Geschichte. Die Veränderungen gesellschaftlicher Bedingungen hat zu weitgreifenden Veränderungen in der Heimerziehung geführt. Die Dynamik mit der sich unsere Gesellschaft gerade in den letzten Jahren verändert, spiegelt sich auch innerhalb der gesamten Kinder- und Jugendhilfe wieder. Seit Sommer 2010 nennt sich das Kinderheim konsequenterweise nun „Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz“. Mit über 150 sozialpädagogischen Fachkräften, Psychologen und Heilpädagogen bietet die Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz differenzierte Hilfen zur Erziehung für Mädchen und Jungen und deren Eltern. Eltern werden beraten und unterstützt. Kinder und Jugendliche finden Schutz, erhalten pädagogische und therapeutische Leistungen. Ziel ist die Realisierung einer angemessenen und tragfähigen Zukunftsperspektive für jedes Kind, für jeden Jugendlichen, für jede Familie.

Kinder- und Jugendhilfe auf St. Mauritz gibt es sei 1842. Eine lange Zeit, in der es viele Veränderungen gab. Geblieben ist unser Auftrag, Kindern und Jugendlichen zu helfen, damit ihnen ihr Leben gelingt. Die Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz sind lebendige Orte, wo Menschen sich in ihrer Vielfalt angenommen fühlen.
Wir glauben, dass die Akzeptanz eines Menschen mit all seinen Stärken und Schwächen dazu beiträgt, in ihm Kräfte zu mobilisieren, die sein Selbstwertgefühl steigern und eine lebensbejahende Perspektive zu entwickeln helfen. Wir bieten mehr als eine moderne Dienstleistung. Wir sind Hoffnungsträger, damit den uns anvertrauten Menschen das Leben gelingt. Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt den Erwachsenen, die Kinder und Heranwachsende in ihre Familie integrieren wollen.

Wie orientieren uns am christlichen Menschenbild
Jeder Mensch ist einzigartig, egal ob Kinder und Jugendliche oder Eltern und Mitarbeiter. Menschenwürde, Solidarität, Toleranz, Vertrauen und Herzlichkeit sind Werte, die wir im Alltag vorleben und vermitteln wollen.

Es geht uns um das Wohlergehen der uns anvertrauten Kinder
Wir geben Kindern und Jugendlichen Schutz und sorgen gut für sie. Kinder und Jugendliche leben in einem gestalteten, psychologisch sicheren Zuhause. Unser Ziel ist es, für jeden von ihnen eine tragfähige Zukunftsperspektive zu entwickeln. Kinder, die nicht nach Hause zurückkehren können oder nicht in Pflegefamilien vermittelt werden, finden bei uns Lebens- und Wohngruppen. In einer liebevollen Atmosphäre fördern wir ihr Selbstwertgefühl, ihre Beziehungsfähigkeit, ihre Lebensfreude, ihre Kreativität und ihre Fähigkeiten zu lebenspraktischem Handeln.

Wir wollen den Eltern ein Wegweiser sein
Kinder haben eine erste und einzigartige Bindung an ihre Eltern. Kinder benötigen zu ihrer Entwicklung Erwachsene, die sie gut versorgen und ihnen verlässliche Bindungen anbieten. Wenn Eltern mit der Erziehung und Versorgung ihrer Kinder nicht zurechtkommen, übernehmen wir für diese Zeit die Erziehung der Kinder und teilen uns mit den Eltern die Verantwortung. Die Zusammenarbeit mit den Eltern bildet einen fachlichen Schwerpunkt unserer Arbeit.

Die Aufgabe erfordert persönlich engagierte und qualifizierte Mitarbeiter
Uns ist bewusst, dass die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mehr erfordert als rein fachliche Qualifikation. Wir sind deshalb bereit, uns selbst als Person einzubringen und den Kindern und Jugendlichen eine Beziehung anzubieten. Mit unserem positiven Lebensgefühl sind wir Hoffnungsträger für die Kinder und Jugendlichen.

Wir handeln sozialpolitisch kooperativ
Gesellschaftlicher Wandel und neue pädagogische und psychologische Erkenntnisse erfordern eine ständige Reflexion über unsere Arbeit und das Umsetzen neuer Ideen. So, wie die Not der Zeit sich wandelt, gestalten wir die Hilfen den Bedürfnissen der Familien entsprechend. Dazu beteiligen wir uns aktiv an der Sozialpolitik.

Wir haben einen Traum . . .
dass Kindern und Jugendlichen ihr Leben gelingt.