Westfälische Pflegefamilie – Ein neuer Lebensort

Mit Pflegekindern gemeinsam leben, ihnen ein Zuhause zu geben, ist vielfältig, bunt und anspruchsvoll. Für viele Familien erfüllt sich mit der Aufnahme eines Pflegekindes in das eigene Zuhause eine Lebensidee, die oftmals das Ergebnis eines längeren Prozesses unter den Familienangehörigen ist.

In der Rückschau sagen viele Pflegeeltern immer wieder den Satz: „Das haben wir richtig gemacht, wir würden es jederzeit wieder tun.“ Ergänzend dazu sagen sie:

„Ohne Humor kommt man nicht weit!“
„Unsere Familie wurde auf den Kopf gestellt!“
„Es ist eine große Herausforderung!“

Das Konzept der „Westfälischen Pflegefamilie“ ist in den 80iger Jahren entstanden. Es bietet Kindern und Jugendlichen eine verlässliche Lebensperspektive in einer Familie an.

Was sind Westfälische Pflegefamilien?

„Westfälische Pflegefamilien“ sind Familien, die sich der Aufgabe stellen, in ihrer Entwicklung besonders beeinträchtigte Mädchen und Jungen in ihr Zuhause aufzunehmen und ihnen einen sicheren und geschützten Lebensort anzubieten.

Für Kinder mit Behinderungen in ihrer geistigen oder körperlichen Entwicklung ist dieses Familienangebot ebenfalls in besonderer Weise geeignet.

Der Name „Westfälische Pflegefamilien – WPF“ steht für ein bestimmtes Konzept, das garantiert, dass die Pflegefamilien nach standardisierten Qualitätskriterien ausgewählt, vorbereitet, beraten und begleitet werden. Koordiniert durch das Landesjugendamt Westfalen-Lippe findet eine enge Kooperation und Vernetzung mit freien Trägern statt.

 

Westfälische Pflegefamilien sind ein Angebot der Jugendhilfe nach §33 Satz 2, SGB VIII (Vollzeitpflege, Kinder- und Jugendhilfegesetz).

Was ist das Besondere an der Aufgabe, eine Westfälische Pflegefamilie zu sein?

Kinder, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können, haben in aller Regel eine belastende bzw. traumatische Lebensgeschichte. Sie wurden oftmals in frühester Kindheit vernachlässigt, erlebten keine befriedigenden Bindungsangebote, wurden mitunter körperlich oder seelisch misshandelt oder auch sexuell missbraucht. Diese Erfahrungen führen nachhaltig zu starken seelischen Verletzungen. Oftmals entwickeln die Kinder zum eigenen Überleben – vielfach unverständliche – Strategien und Verhaltensweisen, die nicht leicht zu ertragen sind. Sie sind z. B. gegenüber Erwachsenen, die sich liebevoll ihrer annehmen wollen, misstrauisch oder weisen deren Zuwendung heftig aggressiv zurück.

Pflegekinder sind geprägt durch ihre Erfahrungen und zeigen oft andere Verhaltensweisen als Pflegeeltern es erwarten.

Pflegeeltern, die sich zutrauen, Kinder mit seelischen Verletzungen zu sich zu nehmen, sollten darauf eingestellt sein, dass sie in ihrer persönlichen Haltung sehr gefordert werden. Wenn ein Kind, z. B. gelernt hat, seine Angst zu verbergen, stattdessen eher aggressiv im Kontakt mit anderen bleibt, dann ist das nicht hilfreich, wenn nur auf das aggressive Verhalten reagiert wird, sondern es gilt, zu verstehen was dahinter steht, was der gute Grund dafür ist, dass das Kind aggressive Verhaltensweisen zeigt.

Traumatische Erfahrungen verändern das Denken, die Gefühle und die Verhaltensweisen der Kinder, sie reagieren oftmals unverständlich, bleiben in erhöhter Anspannung und der Erwartung, dass jederzeit wieder etwas Schlimmes passieren könnte, können sich schlecht entspannen, reagieren überaus heftig, selbst für angeblich kleine Anlässe. Das sind die Überlebensstrategien.

Die Aufgabe von Pflegeeltern ist es, die traumatischen Hintergründe in ihr Verständnis von Beziehung, Erziehung und Alltagsleben mit aufzunehmen.

Damit das Mögliche entsteht, müssen wir immer wieder das Unmögliche wagen.

Wir freuen uns, wenn wir Sie für diese wertvolle pädagogische Arbeit gewinnen können.
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