ein neuer Fachterminus, entwickelt aus der alltäglichen Praxis der Jugendhilfe, erfährt eine zunehmende Beachtung in der pädagogischen Fachöffentlichkeit.
In der Betreuung von traumatisierten Mädchen und Jungen verfügt die Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz über langjährige Erfahrungen. Lebensgeschichten, die von schwerwiegenden  Ereignissen und schädlichen Bindungserfahrungen in frühen Entwicklungsstadien geprägt sind, begegnen uns  täglich. Manchmal können die Mädchen und Jungen darüber sprechen, oftmals deuten nur ihre Verhaltensweisen auf die unbewältigten Erlebnisse hin. Sie zeigen uns, das was sie innerlich beschäftigt, was sie ausagieren müssen und welche Sehnsüchte sie in sich tragen.
Pädagogische Hilfestellungen zur Bewältigung der durch erlebte Traumata bedingten Folgen wurden bislang zu wenig in den Blick genommen. Hier gilt es, das Bewusstsein über die Wirkung der pädagogischen Interventionen und die Bedeutung der Beziehungsgestaltung zu schärfen.
Aus dieser Erkenntnis hat sich in jüngster Zeit die Traumapädagogik als neuer sozialpädagogischer Ansatz entwickelt. Die Traumapädagogik bedient sich dem traumarelevantem Wissen und den daraus abgeleiteten Interventionsformen aus den  Wissenschaftsdisziplinen der Pädagogik, Psychologie und Psychotraumatologie. Es handelt sich dabei um solche Interventionen, wie die Schaffung eines inneren und äußeren sicheren Ortes,  das Setzen von Stopps in Flashbach-Situationen u.a., die der Förderung von Selbstachtsamkeit und Selbstkontrolle dienen sowie der psychischen und sozialen Stabilisierung und der Entwicklung eines positiven Selbstbildes der Kinder und Jugendlichen.
Zentrale Konzeptelemente der Traumapädagogik sind:
1. Eine Haltung der Fachkräfte, die durch das Verständnis charakterisiert ist, dass das Verhalten der Mädchen und Jungen normal ist und als Überlebensstrategie entwickelt werden musste in Folge der erlittenen körperlichen und seelischen Verletzungen.
2. die Schaffung eines äußeren sicheren Ortes, womit ein soziales Lebensumfeld gemeint ist, das vor Re-Traumatisierung schützt und das auf eine Traumabearbeitung im Lebensalltag ausgerichtet und eingestellt ist, indem es z.B. dem Kind dabei hilft, einen sicheren inneren Ort zu schaffen, von dem aus eine wirksame Selbstkontrolle aufgebaut werden kann und
3. eine gut verzahnte Zusammenarbeit zwischen pädagogischen und psychologischen Fachkräften
in der Stabilisierung und Aufarbeitung der Lebensbiografie des Kindes. Die Traumatherapie als Einzelsetting bleibt im traumapädagogischen Konzept bestehen.
Die Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz schätzt den  traumapädagogischen Ansatz als wirkungsvoll ein. Entsprechend lief seit 2008 über zwei Jahre hinweg  für  80 pädagogische und therapeutische Fachkräfte das „Schulungsprojekt Traumapädagogik“ in Kooperation mit dem Zentrum für Traumapädagogik (ZTP) in Hanau. Eine Projektleitung und Projektbegleitgruppe steuerte das Schulungsprojekt . Inhaltlich bot das ZTP dreitägige Inhouse-Workshops an zu den Themen: Grundlagen in Traumapädagogik, Haltung, Bindungspädagogik, Selbstbildung, Gruppe als Ressource, sowie Elternarbeit. Es fanden Transfermodule statt, die zwischen Theorie- und Praxisthemen konkrete Verbindungen schaffen sollen und schließlich dienen die Supervisionsprozesse den Teams zur Lernreflektion. Neben einer Basisqualifikation war für die TeilnehmerInnen durch die Erbringung zusätzlicher Leistungen  z.B. einer Biografiearbeit mit einem Kind,  die Qualifizierung zur Traumapädagogin/zum Traumapädagogen möglich. Darüber hinaus werden die durch das Schulungsprojekt initiierten Effekte von einem Forschungsinstitut (IKJ Mainz) wissenschaftlich evaluiert. Eine nähere Beschreibung und ein erster Erfahrungsbericht  zu diesem Schulungsprojekt erschien im Herbst 2009 in einer Buchpublikation (Hg. Wilma Weiß u.a., Juventa Verlag): Maria Krautkrämer-Oberhoff, Kristof Haaser: Eine Institution macht sich auf den Weg.
Unterstützt und finanziert wurde das Projekt durch zwei münstersche Kaufleute; sie übernahmen die notwendigen Projektpersonal- und Schulungskosten.
Im Frühjahr 2011 erfolgte die feierliche Übergabe der Zertifikate an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Diese über 80 hauseigenen Experten waren auch die Hauptreferenten auf unserer großen Fachtagung am 20. Oktober 2011 in der Halle Münsterland.